{"id":12156,"date":"2021-11-11T11:23:23","date_gmt":"2021-11-11T11:23:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.actreme.com\/?p=12156"},"modified":"2021-11-11T11:23:23","modified_gmt":"2021-11-11T11:23:23","slug":"ultrarun-rajasthan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maikbecker.ch\/index.php\/2021\/11\/11\/ultrarun-rajasthan\/","title":{"rendered":"Ultrarun Rajasthan &#8211; 250km durch den indischen Dschungel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00e4uft in Indien. <\/strong>Lauffreunde haben mich auf diesen Event aufmerksam gemacht. Der Veranstalter hatte in den vergangenen drei Jahren Ultralauf Wettk\u00e4mpfe in den Copper Canyons in Mexiko durchgef\u00fchrt. Und jetzt, Ende Oktober 2019 in Indien. Warum nicht?! Ich war noch nie in Rajasthan. Eine bessere Gelegenheit gibt es kaum, als auf abgelegenen Wegen das urspr\u00fcngliche Land der K\u00f6nige auf dem indischen Subkontinent zu erkunden. Was kann auf einer solchen Streckenl\u00e4nge alles passieren? Gedanken, Gef\u00fchle, Selbstgespr\u00e4che. Im Folgenden nur Ausz\u00fcge vom Erlebten. Es war eine lange Reise. Durch ungewohnte Gegenden und vorallem in mich selbst.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12915\" src=\"https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Indien-Karte.png\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"630\" srcset=\"https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Indien-Karte.png 1920w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Indien-Karte-600x197.png 600w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Indien-Karte-300x98.png 300w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Indien-Karte-1024x336.png 1024w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Indien-Karte-768x252.png 768w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Indien-Karte-1536x504.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vorbereitung. <\/strong>Wie bereitet man sich auf solch eine lange Zeit in Bewegung vor? Ich gehe jetzt mal vorsichtig heran und nenne es nicht \u201eLauf\u201c. Es ist im Voraus klar, dass die gesamte Strecke nicht im Laufschritt zu bew\u00e4ltigen ist. Damit muss man sich auseinandersetzen. Viel zu viele Unbekannte. Untergrund, Streckenf\u00fchrung, Topografie, Navigation, Wetter, Nahrungsvertr\u00e4glichkeit und viele Komponenten mehr spielen zusammen. Es ist ja schliesslich kein Strassenmarathon. Bin da den Tipps und Tricks von Igor und Stephan dankbar. Die sehr erfahrenen Ultral\u00e4ufer standen mir Rede und Antwort und haben mir mit ihren Ratschl\u00e4gen offene Fragen beantwortet. Die Auseinandersetzung mit dem Event beginnt also bereits lange vor der Anreise. Im Detail heisst das: Ich habe mich seit Juni damit besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu kommt nat\u00fcrlich die physische Vorbereitung. Hier vertraue ich seit Jahren der Trainingsplanung von <a href=\"https:\/\/www.ks-sportsworld.de\/\">KS-SPORTSWORLD<\/a>. Der K\u00f6rper f\u00fchlt sich gut an und ist vom letzten Test bei den 24h von Brugg\/CH Ende September wieder gut erholt. Eine Reizung in der Leiste, die mich seit einem Fussballspiel gegen junge M\u00f6nche in Bhutan im Mai besch\u00e4ftigt, ist noch nicht ganz ausgeheilt. Daran nicht zu denken, wird eine grosse Rolle im Wettkampf spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein letzter Check vor der Abreise bei Christian von Getup, dem Physiotherapisten meines Vertrauens in Z\u00fcrich. Alles gut. Kann los gehen. (Das Thema Vorbereitung ist nat\u00fcrlich noch viel komplexer\u2026)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auf nach Rajasthan. <\/strong>Ein neues Abenteuer in Indien beginnt. Am Flughafen in Delhi werde ich bereits von anderen L\u00e4ufern angesprochen. Mit Laufrucksack und Laufschuhen ist man schnell geoutet. Und sofort die Fragen: Wie viele Stunden ich plane zu laufen f\u00fcr die 250 Kilometer? Ob ich schlafen will zwischendurch? Was ich schon so alles an L\u00e4ufen gemacht habe in meinem Leben? Mir wird schnell bewusst, hier habe ich es mit Profis zu tun. Es sitzt mir niemand geringeres gegen\u00fcber als Christian Ginter. Rekordhalter mit den meisten Marathon des Sables Teilnahmen. Bei 34 Austragungen des ber\u00fchmtesten W\u00fcstenlaufes war er 32 (!) Mal am Start. Und neben ihm sein Sohn Anthony. Einer der Siegkandidaten f\u00fcr den Lauf hier. Endlich wieder normale Menschen um mich herum&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erste Station unseres Trips ist Udaipur. Ehemals Hauptstadt des Reiches Mewar ist Udaipur f\u00fcr seine prunktvollen Pal\u00e4ste bekannt. Nicht weniger als elf gibt es davon in der Stadt. Die Maharajas haben baulich hier nicht gekleckert. Zum Besichtigen reichen uns zwei. Es ist Diwali, das Lichterfest in Indien. Vergleichbar mit unserem Weihnachten, vom Stellenwert her. Die sonst schon gut besuchten Sehensw\u00fcrdigkeiten werden \u00fcberschwemmt von Menschenmassen. Das Gedr\u00e4nge in den engen G\u00e4ngen der Bauwerke ist alles andere als lustig. Erstaunlich viele ausl\u00e4ndische Touristen trifft man in Udaipur an. Ein Sprachenmix aus aller Welt. Scheint wohl bei Indienbesuchern sehr beliebt zu sein. Ich habe vorher zumindest noch nie etwas von dem Ort geh\u00f6rt. Aber genau das macht Reisen ja aus. Offen und neugierig durch die Welt ziehen und den Horizont erweitern. Hilft dann auch manchmal, zu Hause Dinge besser zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12914\" src=\"https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Antik.png\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"630\" srcset=\"https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Antik.png 1920w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Antik-600x197.png 600w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Antik-300x98.png 300w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Antik-1024x336.png 1024w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Antik-768x252.png 768w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Antik-1536x504.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Nachmittag dann das Racebriefing. Auf Franz\u00f6sisch. Die Veranstalter sind Franzosen und 99% der Teilnehmer franz\u00f6sischsprachig. Ausser einem. Bislang scheiterten bei Schulbesuchen jegliche Bem\u00fchungen von Lehrpersonen, mir diese Weltsprache beizubringen erfolgreich. Aber Traill\u00e4ufer sind ja eine friedliche Gemeinschaft. Ein Gegeneinander gibt es nicht. Man hilft sich. Die wichtigsten Informationen bekomme ich von Laufkollegen \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Hotel h\u00e4ngen Bilder vergangener Tage. Haupts\u00e4chlich M\u00e4nner mit pr\u00e4chtigen Schnurrb\u00e4rten und Turban. Der gilt hier als Statussymbol. Auf einem Bild eine Gruppe mit einem get\u00f6teten Tiger. Nach Jahren des skrupellosen Abschlachtens l\u00e4uft seit 30 Jahren ein Programm zum Schutz des Wappentiers Indiens. Teils mit Erfolg. In Rajasthan hat sich die Anzahl in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt. 85 Tiger wurden gez\u00e4hlt. Aufzuhalten wird das Aussterben in dem bev\u00f6lkerungsreichen Land aber kaum sein. Der Mensch dr\u00e4ngt die Tiere immer mehr in die Nationalparks zur\u00fcck. Und hier sind die \u00dcberlebenschancen eingeschr\u00e4nkt. Nicht ausreichend Futter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darin sind wir uns einig: als Tigerfutter m\u00f6chte hier niemand enden. Schnell genug laufen? Nachts pausieren? Wann Pausen machen, was essen? Die Anspannung ist sp\u00fcrbar. Vor solch einem Laufabenteuer haben alle Respekt. Zur Streckenl\u00e4nge kommen viele unbekannte Faktoren. Die Temperaturen waren in den vergangenen beiden Tagen \u00fcberraschend moderat. Das soll sich \u00e4ndern. Wir erwarten typisch indisch heisses Wetter tags\u00fcber. Einige sprechen von aufziehenden Gewittern vor dem Wochenende. Wir m\u00fcssen auf vieles gefasst sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere Unbekannte ist die Streckenmarkierung. In der vergangenen Woche wurden Markierungen angebracht. Mittels Spray auf Steinen, an B\u00e4umen und Lichtmasten. Markierungsb\u00e4nder weisen den Weg. Allerdings sind besonders die reflektierenden, in der Nacht sichtbaren bei den Kindern sehr beliebt. Wir lassen uns \u00fcberraschen. F\u00fcr Notf\u00e4lle hat jeder die Route als GPS gespeichert. Und: was sind schon ein bis zwei Stunden, die man mal f\u00fcr die Wegfindung aufwenden muss, bei einem Cut Off von 108 Stunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ein weiterer Punkt: wie lange kann man den K\u00f6rper bei Laune halten? Also wach. Macht es mehr Sinn, ab der ersten Nacht kurze Schlafpausen einzulegen und &#8222;erholt&#8220; den Weg fortzusetzen? An den Checkposten etwa alle 20-30 Kilometer liegen Matratzen bereit. Verlockend. Das lasse ich auf mich zukommen. Die erste Nacht wird nicht geschlafen. Das sollte drin liegen. Alles was danach kommt, wird situativ entschieden. Wie weit bin ich bei Einbruch der zweiten Nacht? Wie f\u00fchlt sich der K\u00f6rper an? Hat die Ern\u00e4hrung bis hierhin funktioniert und habe ich genug Energie? Wie war die Koordination mit Stirnlampe w\u00e4hrend der ersten Nacht? Vergleiche zu vorangegangen Rennen k\u00f6nnen helfen. Allerdings sind die Umst\u00e4nde jedes Mal anders. Also nicht zu viele Gedanken machen im Vorfeld. Da bin ich tiefenentspannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt noch viele unbekannte Faktoren. Diese in der entscheidenden Situation richtig zu beantworten ist ein grosser Teil des Erfolgsrezepts f\u00fcr ein \u00dcberqueren der Ziellinie. Der innere Dialog muss stimmen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12921\" src=\"https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Velo.png\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"630\" srcset=\"https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Velo.png 1920w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Velo-600x197.png 600w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Velo-300x98.png 300w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Velo-1024x336.png 1024w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Velo-768x252.png 768w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Velo-1536x504.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Tag vor dem Wettkampf. <\/strong>Morgen fr\u00fch um 7 Uhr enden alle Spekulationen. Dann geht&#8217;s zur Sache. Wieder das tun, wozu wir geboren sind. Laufen. Ich freu mich drauf!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die letzte Nacht verbringen wir im Ghanerao Castle. Betreiber des Hotels sind Nachfahren des Maharajas. Fr\u00fcher gab es in Indien etwa 600 &#8222;F\u00fcrstenstaaten&#8220;. Nur der Herrscher der gr\u00f6ssten durften sich Maharaja (Grossk\u00f6nig) nennen. Es ranken sich wilde Geschichten um die ehemaligen Herrscher des indischen Subkontinents. Zur Belustigung haben sie Elefanten oder Tiger Schauk\u00e4mpfe austragen lassen. Und ein Harem konnte gut auch schon mal 200 Damen beherbergen, die dann bei Staatsreisen nach Delhi auch alle im Schlepptau waren. Unter M\u00e4nnern: Ist manchmal nicht eine schon genug\u2026?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es folgen die finalen Vorbereitungen. Packen des Rucksacks. Anst\u00e4ndig essen. Viel Fl\u00fcssigkeit aufnehmen. Und das Sch\u00f6nste an Ausdauerwettk\u00e4mpfen: erholen, relaxen, mit den anderen L\u00e4ufern rumh\u00e4ngen. Noch ein kurzes L\u00e4ufchen, um die Beine durchzubewegen nach dem langen Sitzen in Flugzeugen und Bussen (die Anreise dauerte gesamt \u00fcber 24 Stunden). Ich nutze die Gelegenheit und schaue mir die letzten Kilometer bis zum Ziel an. Wir haben hier die komfortable Situation, dass Start und Ziel am gleichen Ort liegen. Das Castle von Ghanerao soll eine eindrucksvolle Kulisse f\u00fcr das Finale bilden. Der Weg durch den Ort auf der Hauptstrasse bis zum Abzweig in den Marktbereich vorbei an den kleinen Shops mit gesch\u00e4ftigem Treiben und allerlei K\u00fchen, Hunden, Schweinen und nat\u00fcrlich den Einwohnern des verschlafenen St\u00e4dtchens brenne ich bereits jetzt auf die Festplatte. Ein weiterer Baustein f\u00fcr ein erfolgreiches Finish. Visualisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Abend dann noch das abschliessende Briefing mit den letzten Informationen. Der Veranstalter Jean-Fran\u00e7ois Tantin weist auf spezielle Situationen am Streckenverlauf hin. Was f\u00fcr Untergrund uns erwartet. Besonderheiten bei Abzweigen. Oder aber auf Flussdurchquerungen und und und. Zu viele Informationen. Ich habe bereits auf Erholungsmodus umgestellt. In der letzten Nacht vor einem Wettkampf schlafen viele unruhig. Ich kann da jeweils gut abschalten und w\u00fcrde ohne Wecker den Start verpassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wettkampf. <\/strong>Los geht\u2019s. P\u00fcnktlich 7 Uhr am Halloween machen sich ein paar Verr\u00fcckte (Anmerkung der Redaktion: Aussenstehende w\u00fcrden uns so betiteln &#8211; wir sind aber voll und ganz \u00fcberzeugt, die einzig Normalen zu sein!) auf eine unbekannte Reise. Ohne dabei jemanden einen Schrecken einjagen zu wollen. Ziel ist, nicht selbst von irgendwelchen halloweenartigen Gestalten aus der Bahn geworfen zu werden. Den Halluzinationen bei Ultral\u00e4ufen sind keine Grenzen gesetzt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12916\" src=\"https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Samosa.png\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"630\" srcset=\"https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Samosa.png 1920w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Samosa-600x197.png 600w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Samosa-300x98.png 300w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Samosa-1024x336.png 1024w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Samosa-768x252.png 768w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Samosa-1536x504.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ersten acht Kilometer auf Strassenbelag verfliegen (keine Angst, ich protokolliere hier nicht die gesamten Kilometerzahlen\u2026). Eine kleine Gruppe von f\u00fcnf L\u00e4ufern hat sich schnell abgesetzt. In den Gespr\u00e4chen der letzten Tage haben sich f\u00fcr mich Emanuel, Anthony, V\u00e9ro und Olivia als Favoriten herauskristallisiert. Dazu kommen nat\u00fcrlich noch einige Unbekannte. Und ja, die Frauen soll man bei solch einem langen Backen nicht untersch\u00e4tzen. Leidensf\u00e4higer als m\u00e4nnliche Weicheier hat V\u00e9ro in vergangenen Wettk\u00e4mpfen bereits einige Male ALLE Kontrahenten hinter sich gelassen. Bei unserem letzten gemeinsamen Wettkampf gewann sie die 100km beim Run the Rann in Indien mit EINER Stunde Vorsprung vor dem ersten Mann (ich bin damals zum Gl\u00fcck \u00fcber die 100 Meilen Distanz gestartet&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Split der Gruppe kommt es am Eingang in ein Naturreservat. Die M\u00e4dels lassen etwas abreissen. Das Tempo von Emanuel und Anthony scheint mir zu vorsichtig. Sie sind beide sehr erfahren. Was haben sie vor? Haben sie sich abgesprochen, mich fertigzumachen? Soll ich Tempo machen und sie beobachten das mit etwas Abstand? Ich bin hier der Underdog und der einzig nichtfranz\u00f6sischsprachige Teilnehmer. Ich verstehe l\u00e4ngst nicht alles, was mich an Silben den lieben langen Tag hier umgibt. Positiv denken. Auf mich fokussieren. So beschliesse ich die Flucht nach vorn. Ich brauche Ruhe und Einsamkeit, um meinen Rhythmus zu finden. Durch Affenherden haben ich die beiden immer noch hinter mir. An einem Anstieg lasse ich sie dann stehen. Bereits nach ein paar Minuten sehe ich niemanden mehr hinter mir. Und vor mir. Im n\u00e4chsten Ort verliere ich irgendwie die Streckenmarkierung. Warte auf die Zwei und wir navigieren zusammen ein St\u00fcck. Dann bin ich wieder allein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So erreiche ich den ersten Checkposten als F\u00fchrender. Wenn es daf\u00fcr einen Pokal g\u00e4be! Z\u00e4hlt aber so viel wie die goldene Ananas. Bis dato sind gerade mal 34 Kilometer geschafft. Die L\u00e4nge zwischen den Checkposten stellt bei dem Wettkampf hier eine Besonderheit dar. Zwischen 24 und 34 Kilometer sind ohne Support vom Veranstalter zu bew\u00e4ltigen. Wir m\u00fcssen eine minimale Wasserkapazit\u00e4t von drei Litern mit uns tragen k\u00f6nnen. Und das soll auch notwendig sein, wie sich sp\u00e4ter noch herausstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">N\u00e4chste Etappe ist das Fort Kumbhalgarh. Eine Festung, erbaut vom Rana (Herrscher) von Mewar im 15. Jahrhundert. Die Dimensionen der Anlage sind unglaublich. Allein 360 Tempel wurden gez\u00e4hlt, aber auch ehemalige Wohnh\u00e4user und nat\u00fcrlich der F\u00fcrstenpalast. \u00dcberraschend viele Touristen tummeln sich vor dem Eingang. Es gibt Stau zu den Parkpl\u00e4tzen. Liegt wohl am Diwali. Es ist schulfrei. Schnell schl\u00e4ngle ich mich durch das indische Verkehrschaos mit Gehupe und Gedr\u00e4nge. Das ist Teil des Landes und der Kultur. Daf\u00fcr bin ich aber nicht hergekommen. Also weiter auf dem Weg. Der anspruchsvollste und kraftraubendste Teil der gesamten Strecke folgt. Das weiss ich aber erst 3.5 Stunden sp\u00e4ter. So lange habe ich f\u00fcr die 14 Kilometer auf der Mauer rund um die Festung ben\u00f6tigt. Ja, ihr habt richtig gelesen. Schnell vorankommen ist anders. Die sehr gut erhaltene Befestigung erinnert an die chinesische Mauer. Zinnen mit Schiessscharten zur Aussenseite, nach innen oft den Blick auf den m\u00e4chtigen F\u00fcrstenpalast freigebend, geht es \u00fcber steile Stufen dem Gel\u00e4nde angepasst auf und ab. Die Stufe sind mit langem d\u00fcrrem Gras bewachsen. Hier kommt in der Regel kein Festungsbesucher hin. Oft bleibe ich stehe und schaue dem Ziel scheinbar senkrecht \u00fcber mir entgegen. Die Frage, wie es die Laufveranstalter immer wieder schaffen, solche Killer in die Strecken einzubauen, wird mich auf dem Streckenverlauf noch \u00f6fters besch\u00e4ftigen. Ich habe Wasser f\u00fcr 14 Kilometer dabei. also f\u00fcr etwa zwei Stunden, merke aber schnell, dass ich damit haushalten muss. Wasserdesinfektionstabletten sind auch irgendwo im Rucksack. N\u00fctzen aber hier nix. Wie bei uns in Mitteleuropa waren die indischen Herrscher clever und haben ihre Burgen hoch \u00fcber dem umliegenden Land platziert. Ein hervorragender Blick auf das Harzvorland, die Eiffel oder den Th\u00fcringer Wald bietet sich. Erste Halluzinationen? Nein, es sieht tats\u00e4chlich so aus. Kenne ich bislang von Indien noch nicht und \u00fcberraschend mich. Vielf\u00e4ltiges Rajasthan!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck am Checkposten (dieser Teil der Strecke war ein Rundkurs) wird erstmal Wasser aufgef\u00fcllt. 30 Minuten in der brutalen windstillen Mittagshitze ohne Fl\u00fcssigkeit haben mich ganz sch\u00f6n ausgezehrt. Der Halt dauert aber nicht lange. Da ich immer noch in F\u00fchrung liege und es mir bestens geht, beschliesse ich, mich schnell auf den Weg zum n\u00e4chsten CP (Checkposten) zu machen. Im Hinterkopf eine alte Ultralauf Regel: keine Angst, wenn es dir gutgeht, das geht vorbei\u2026 Die zwei Kilometer durch den immer noch anhaltenden Verkehr auf der Strasse bergab ins n\u00e4chstgelegene Dorf vergehen schnell. Jetzt nur den Abzweig auf den Trail nicht verpassen. Jean-Francois hat mir am Checkposten eingebl\u00e4ut: \u201eEin paar hundert Meter nach der Kreuzung zweigt die Strecke rechts ab auf den Trail\u201c. Hinter parkenden Autos habe ich den Markierungspfeil entdeckt. Super. Weg von dem L\u00e4rm. Rein in den Dschungel. Aber halt! Wo sind meine St\u00f6cke? Aus Respekt vor der Streckenl\u00e4nge und in Anbetracht der vielen Ungewissheiten habe ich in letzter Minute beschlossen, Traillauf-St\u00f6cke mitzunehmen. Die waren doch zusammengefaltet rechts und links in meinen H\u00e4nden. Ich muss nicht lange \u00fcberlegen. Die stehen am CP2 am Tisch. XXX(Schimpfwort) und nochmal XXX(Schimpfwort) und nochmal. Laut. Ich brauche die Dinger\u2026 Was tun? Zur\u00fcck? Wieder bergan, den anderen entgegen?! Ich versuche einen Taxifahrer zu \u00fcberzeugen, sie mir zu bringen. Er macht mir klar, dass es aufgrund des Verkehrs l\u00e4nger dauert, wenn er f\u00e4hrt, als ich laufe. Verstehe. Die Gehirnzellen funktionieren noch. Sind ja auch erst 51 Kilometer um. Telefon raus und Jean-Francois anrufen. Als Veranstalter betreut er die ersten L\u00e4ufer pers\u00f6nlich und ist sicher noch am CP. Tats\u00e4chlich. Er verspricht mir die Carbon Dinger, die nicht allzu oft zu Einsatz kommen, zum n\u00e4chsten Checkposten mitzunehmen. Die erste richtige Trail-Etappe muss ich also ohne St\u00f6cke absolvieren. Auch kein Problem. Lerne: Krisenmanagement. Positiv an Dinge herangehen. Auf dem folgenden Waldst\u00fcck zerschneide ich mir die Arme und Beine derart, dass ich blutbetr\u00e4ufelt am CP3 ankommen. Bereits von weitem sehe ich Jean-Fran\u00e7ois mit meinen St\u00fccken winken. Jetzt kann nichts mehr schief gehen. Dachte ich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wasser heiss und kalt steht an den Checkposten bereit. Und ein Zelt, f\u00fcr alle, die schlafen oder sich ausruhen wollen. Es ist sp\u00e4ter Nachmittag und ich habe die erste grosse Mahlzeit geplant. Pasta Carbonara. Gefriergetrocknet. Heisses Wasser darauf und zehn Minuten sp\u00e4ter ist das Mahl aus dem Zipplock Beutel geniessbar. Und tats\u00e4chlich geniessbar. Ich will aber nicht so lange warten und nehme den Beutel mit auf den Weg. W\u00e4hrend ich straff weitermarschiere, versuche ich, so viele wie m\u00f6glich der 600 Kalorien, die die gesamte Mahlzeit bietet, zu mir zu nehmen. Warum lange am Checkposten aufhalten. Es ist noch eine weite Strecke bis zur Zielflagge. Und die ist das Einzige, was ich im Kopf habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein paar Kilometer sp\u00e4ter treffe ich auf einen Fluss. ich versuche mich zu erinnern an Jean-Fran\u00e7ois Worte: \u201eFlussaufw\u00e4rts, immer wieder mal durch den Fluss rechts und links.\u201c Ich will auf jeden Fall so viel wie m\u00f6glich davon bei Tageslicht hinter mich bringen. Die Sonne geht um 18.30 Uhr unter. Es ist jetzt 17 Uhr. Nach etwa 20 Minuten \u00fcberlege ich, wann ich den letzten Markierungsstreifen oder aufgespr\u00fchten Pfeil gesehen habe. Kann mich nicht erinnern. Also Handy raus. Auf MapsMe ist die Strecke hinterlegt. Ich wollte das nur in Notf\u00e4llen benutzen. Und jetzt, weit weg vom eigentlichen Weg ist das wohl einer. Ich bin anstatt flussaufw\u00e4rts flussabw\u00e4rts gelaufen\u2026 Anf\u00e4ngerfehler. Und dann gleich noch einer. Ich versuche von hier aus nicht zur\u00fcck zum letzten erkennbaren Punkt der Strecke zu gehen, sondern will direkt durch Dornenb\u00fcsche abk\u00fcrzen. Sinnlos. Ich muss zur\u00fcck und dem normalen Streckenverlauf folgen. Dieser Fehler kostet mich etwa eine Stunde. Am Checkposten 4 komme ich so erst im Dunkeln an. V\u00e9ro sitzt bereits da und fragt mich, wo ich war. Mhhhh. Wenigstens ist sie die Einzige, die mich dabei \u00fcberholt hat. Emanuel und Anthony sind hinter mir. Anthony hat sich auf den Treppen der Mauer den Kn\u00f6chel verstaucht und kommt nur langsam voran. Oh nein. Emanuel ist bei ihm geblieben bis zum n\u00e4chsten CP. Das macht die Traill\u00e4ufer aus: ohne Eigensinn dem Konkurrenten helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich beschliesse, hier eine Pause von 20 Minuten zu machen. V\u00e9ro will weiter, sucht aber noch einen Kompagnon f\u00fcr die anstehen Kilometer in der Nacht. Schnell trifft Emanuel ein. Und Anthony. Dazu hat sich Vincent gesellt. Er wollte mit seinem Laufkollegen William die Strecke bew\u00e4ltigen. Der ist aber bereits mit Hitzeproblemen ausgestiegen. Von Olivia keine Spur. Die wird uns nach dem Rennen schildern, wie sie in diesem Bereich der Strecke auf zwei Geparden gestossen ist. Ein anderer Teilnehmer auf eine Cobra. Ja, wir sind hier im indischen Dschungel. Ist nicht der New York Marathon. Das war aber jedem Beteiligtem vor dem Start klar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach 20 Minuten mache ich mich wieder auf den Weg. V\u00e9ro ist mit Emanuel bereits lange weg. Die beiden sind meine Favoriten und ich bin mir ziemlich sicher, sie bis zum Ziel nicht wieder zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Strecke bis zum n\u00e4chsten CP ist mir vollkommen verloren gegangen. Besonders in der Nacht ist es schwierig, zu navigieren und sich an Fixpunkte zu erinnern. Ich erreiche CP4 um drei Uhr in der Nacht und beschliesse, hier eine Schlafpause einzulegen. Die anderen L\u00e4ufer um mich herum wollen die erste Nacht durchlaufen. Das hat mich dazu bewegt, meine geplante Strategie zu \u00e4ndern. Ich will in der ersten Nacht eine l\u00e4ngere Pause einlegen. Zwei Stunden g\u00f6nne ich mir auf der Matratze im Zelt im mitgebrachten Lightweight Schlafsack. Wollig warm. Energie tanken. Dabei hat mich Vincent \u00fcberholt. Sozusagen im Schlaf. Als ich aufwache, bin ich auf dem 4. Platz. P\u00fcnktlich f\u00fcnf Uhr bereite ich mich auf den kommenden Tag vor. Stirnlampen im Rucksack versorgen, T-Shirt wechseln, warme Jacke weg. Und weiter geht\u2019s in die Tribal Zone.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind gewarnt worden vor diesem Bereich. Die Ureinwohner dulden keine Eindringlinge in ihr Gebiet. Was suchen wir auch hier? Die Menschen leben ihren Rhythmus. Arbeiten auf den Feldern, k\u00fcmmern sich um die Tiere. Die Kinder rennen erschrocken weg, wenn sie mich sehen. Ein Junge (etwa drei bis vier Jahre alt) bleibt wie angewurzelt stehen und beginnt lauthals zu schreien\/weinen, als ich an ihm vorbeilaufe. Er kann mit der Situation nicht umgehen. Das ruft nat\u00fcrlich Gedanken hervor. M\u00fcssen wir wirklich bis zu den letzten Einwohnern unseres Planeten vordringen, um ihnen Kompressionssocken und hautenge Leggings zu pr\u00e4sentieren? Ich bin da oft hin und her gerissen. Es ist andererseits auch eine Chance, um mit den Menschen dort Partei zu ergreifen. Nicht selten sind sie von der Regierung vergessen und leben vom Allernotwendigsten. Die Uhr l\u00e4sst sich nicht zur\u00fcckdrehen. Wir sind eine Gemeinschaft auf unserem Planeten und d\u00fcrfen die Augen vor Randgruppen nicht verschliessen. Das wird dir einfach zu Hause auf der Couch nicht bewusst. Da muss man schon mal die Komfortzone verlassen und sich mit wachem Hirn ein Bild von der Realit\u00e4t machen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12918\" src=\"https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Teatime.png\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"630\" srcset=\"https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Teatime.png 1920w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Teatime-600x197.png 600w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Teatime-300x98.png 300w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Teatime-1024x336.png 1024w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Teatime-768x252.png 768w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Teatime-1536x504.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem Dorf treffe ich auf eine Gruppe M\u00e4nner an einem Tee Shop. Was soll\u2019s?! Hier durch die Botanik rennen im Kampf gegen die Uhr\/Gegner\/den inneren Schweinehund u.v.m. und alles rechts und links liegen lassen, will ich nicht. Ich bin doch hier, um das Land kennen zu lernen. Also stopp. Schnell komme ich mit ihnen ins Gespr\u00e4ch. Ehe ich mich versehen kann, habe ich einen Masala Chai Tee in der Hand. Ein paar von ihnen reden englisch. Wo ich herkomme und hinwill? Zu Fuss? Warum? Sie bieten mir eine Fahrt im Gel\u00e4ndewagen an. Und ich soll doch auch etwas essen. Da bin ich vorsichtig. Ich habe ja schon einen Saumagen durch das Reisen. Aber \u00fcberstrapazieren m\u00f6chte ich ihn auch nicht. Noch ein zweiter Tee. Der tut gut. Die Milch ist noch echte Kuhmilch. Fett. Das schmeckt man. Gibt Kraft. Dann verabschiede ich mich. Ich darf nicht gehen, ohne das obligatorische \u201eSelfie\u201c gemacht zu haben. Das hatte ich bereits gestern und es wird mich auch noch weiter bis ins Ziel begleiten. Die Leute wollen in Bild. Es hat ihnen aber keiner gesagt, dass man ein Selfie SELBER machen muss. Also reihen wir uns alle auf. Mittlerweile sind auch noch Frauen dazu gekommen. Einer aus der Gruppe erkl\u00e4rt sich bereit, das Bild zu machen. Und fertig ist das Selfie. Etwa zwanzig Leute darauf aus einem Abstand von f\u00fcnf bis sechs Metern aufgenommen. So einen langen Arm hat kein Mensch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am CP6 erkl\u00e4rt mir Jean-Fran\u00e7ois, dass V\u00e9ro 45 Minuten und Vincent nur 15 Minuten vor mir liegen. Bis Platz zwei ist also alles m\u00f6glich. Nach hinten habe ich mir ein beachtliches Polster von einem kompletten Checkposten geschaffen. Das sind gut vier Stunden. Der Blick ist also nur nach vorn gerichtet. Das motiviert zus\u00e4tzlich zur aufkommenden Sonne. Die wird zwar wieder brutal heiss, aber besser als in der Antarktis rennen\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Irgendwann taucht eine Fata Morgana vor mir auf. Auf einer welligen Strasse erkenne ich von Weitem einen L\u00e4ufer. Oder denke zumindest, es erkennen zu k\u00f6nnen. Ich komme der verschwommenen Silhouette immer n\u00e4her. Es ist Vincent, der mit sich k\u00e4mpft. Wir tauschen schnell ein paar Floskeln aus und ich lege das Pokerface auf. Muss ihm klarmachen, dass ich mich unglaublich stark f\u00fchle. Das ist nat\u00fcrlich nicht der Fall. Das weiss er aber nicht. Psychospielchen. Schnell ist er aus meinem Blickwinkel verschwunden. Der n\u00e4chste Checkposten ist f\u00fcr mich nur schwer zu finden. Verlaufe mich abermals und erreiche den Hof mit M\u00fch und Not (wieder zu wenig Wasser). Bin aber nicht tod. Was sehen meine Augen da voller \u00dcberraschung: V\u00e9ro ist am CP und\u2026 Emanuel. Der F\u00fchrende. Wieder was gelernt. Je l\u00e4nger die Strecke, desto unberechenbarer. Er ist aber schnell wieder weg. Nur V\u00e9ro versucht mich in Anbetracht der hereinbrechenden zweiten Nacht zu \u00fcberzeugen, mit ihr zu gehen. Ich will mich aber unbedingt erst richtig verpflegen. Nach ein paar Minuten trifft Vincent ein. Er will ebenfalls nicht lange pausieren und die beiden gehen gemeinsam los. Sie haben noch keine Minute geschlafen. Wir sind jetzt in Stunde 36 des Wettkampfs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne Stress gehe ich kurze Zeit sp\u00e4ter auf den Weg. Ich nehme das Handy mit der Route jetzt \u00f6fter zur Hand. Brauche keine extra Kilometer mehr. Auf direktem Weg zum Ziel. Das ist der Plan. Und ich will meine Erholung aus der vergangenen Nacht nutzen und ohne grosse Pause durchziehen. Das spornt an. Ich kann schnell wieder zu den beiden vor mir Laufenden aufschliessen. Es ist bereits stockdunkel. Sternenklar. Kaum St\u00f6rlicht. Der Mond wiegt sich als h\u00e4ngende Sichel vor mir am Horizont. \u201eLauras Stern, Lauras Stern\u201c, summt es in meinem Kopf. Kommen die ersten Hallus? Nein, beim Laufen kommen mir je nach Situation immer wieder Lieder in den Kopf. Die k\u00f6nnen dann \u00fcber Stunden helfen, die Zeit zu vergessen. Das sind Songs wie One Foot von Walk the Moon oder Rockabye von Clean Bandit. Nur nichts Tiefgehendes. Wieder lasse ich die zwei zur\u00fcck. Wenn ich in Bewegung bin, rollt\u2019s. Das muss ich nutzen. F\u00fchle mich gut. Ok, etwas m\u00fcde vielleicht auch schon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas ist leicht untertrieben. Man neigt dazu, die Dinge f\u00fcr sich selbst herunterzuspielen. Habe ich den Stein jetzt \u00fcbersehen, als ich dar\u00fcber gestolpert bin? Nein, alles gut. Bin ich jetzt neben dem Trail im Gras gelaufen? Nein, sicher nur ein falscher Tritt. Hatte ich jetzt w\u00e4hrend der letzten Schritte die Augen geschlossen? Ich muss mir eingestehen, es geht nix mehr. Ich schlafe beim Gehen ein. Bin hier irgendwo mitten im indischen Urwald. Um mich herum Nacht. Kein Licht weit und breit. Die Gefahr, jetzt Fehler zu begehen und sich zu verlaufen ist gross. Ich sehe einen grossen Stein etwas neben der Strecke und lege mich darauf. So wie ich bin. Mit Rucksack am R\u00fccken. Nur ein paar Minuten ausruhen. Nur kurz mal die Beine entlasten. Es ist noch angenehm warm. Eine ganz leichte Brise streift \u00fcber die Wangen. Das Leben kann so sch\u00f6n sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMaik\u201c, und nochmal \u201eMaik\u201c h\u00f6re ich im Schlaf. Oder nein, das ist Realit\u00e4t. V\u00e9ro und Vincent haben mich entdeckt und wollen, dass ich mit ihnen komme. \u201eGebt mir nur noch ein paar Minuten. Es ist grad so entspannend.\u201c Und schon sind sie wieder verschwunden. 45 Minuten sp\u00e4ter schrecke ich auf. Wie sp\u00e4t ist es? Ich wollte doch nur ein paar Minuten d\u00f6sen. Habe das Zeitgef\u00fchl total verloren. Ist Abend oder Morgen? Wo bin ich? Der Puls schnellt hoch. Adrenalin f\u00e4hrt mir durch den K\u00f6rper. Es braucht etwas, bis ich mich gefangen habe. Weiter, weiter. Wo sind die zwei Mitstreiter? Jetzt habe ich sie f\u00fcr immer verloren. Schnellen Schrittes komme ich voran. Bei einer Flussdurchquerung mit dicken gr\u00fcnen Algen habe ich wieder den falschen Abzweig genommen. Den kleinen Pfad, der sich das Ufer hoch schl\u00e4ngelt, total \u00fcbersehen. Das reicht jetzt aber. Ich muss mich besser konzentrieren. Die Schlafpause hat mir ungemein Auftrieb gegeben. Ich pusche hart. Eine lange flache Gerade liegt vor mir. In weiter Entfernung ein Dorf. Links am Horizont muss wohl eine Autobahn sein. Lichtkegel rasen durch die Nacht. Ich aber bin allein hier. Hundegebell schallt mir vom Dorf entgegen. Bislang konnte ich jeden Kontakt zu den unz\u00e4hligen Strassenk\u00f6dern vermeiden. Musst nur gut mit ihnen kommunizieren. Es geht im Zickzack durch den Ort. Ein paar Minuten sp\u00e4ter bin ich bereits wieder draussen in der Natur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der l\u00e4ngste Tag des Lebens hat 52 Stunden.<\/strong> Knapp unter 40 Stunden hier draussen. Mit nachlassender Energie nimmt auch die Konzentration ab. Ich sehe Licht von hinten an mich herankommen. Erkenne das Duo V\u00e9ro und Vincent. Sie haben sich verlaufen und sind jetzt wieder auf dem richtigen Weg. Kurzer Smalltalk. Sie wollen, dass ich schon losziehe. Beide sind angeschlagen. V\u00e9ro hat sich Blasen gelaufen. Ich bin nach meinem \u201eDschungel-Nap\u201c gut erholt und kann mich locker von Ihnen absetzen. Der Veranstalter empfiehlt, in der Nacht zusammen zu bleiben. Bisher lief es gut f\u00fcr mich und ich sehe da keine Notwendigkeit. Vor uns liegt ein schwieriger Part, wie sich gleich herausstellen soll. Es geht an Kan\u00e4len entlang. Die Route f\u00fchrt \u00fcber einen Staudamm. Bei der Recherche auf Google Earth im Vorfeld sah das recht easy aus. Jetzt aber stehe ich vor einer Dornenhecke. Der Ausdruck ist leicht untertrieben. Um mich herum 3 bis 4 Meter hoch Buschwerk, B\u00e4ume, Dornen. Wie entgeistert renne ich von einer Ecke in die andere. Wie ein angeschossenes Wildschwein. Es gibt keinen Ausgang. Ich bin umzingelt. Panik macht sich breit. Im ausgeruhten Zustand h\u00e4tte ich hier Ruhe bewahrt. Jetzt aber schnellt mein Puls nach oben. Ich komme mir vor, wie in einem Computerspiel. Jemand hat eine Hecke um mich herum wachsen lassen. Wie bin ich hier hereingekommen? Das Raumgef\u00fchl ist mir verloren gegangen. Von der Festplatte gel\u00f6scht. In Entfernung sehe ich die Stirnlampen der beiden Nachfolger. Ich schreie. Bekomme auch Wortfetzen zur\u00fcckgeworfen. H\u00f6re nur \u201ehier, hier\u201c. Das kann ich sehen. Aber wie dort hinkommen. Es klingt vielleicht einfach, die B\u00fcsche beiseitezudr\u00fccken und sich einen Weg zu verschaffen. Ich war aber in dem Moment so gefangen in mir selbst, dass ich keinen Ausweg sah. Gef\u00fchlt eine Ewigkeit brauchte ich, bin ich klare Gedanken fassen konnte. Ich fand die entscheidende L\u00fccke. Nach dem Wettkampf haben wir noch oft \u00fcber die Situation gelacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die fehlenden Kilometer bis zum n\u00e4chsten Checkposten sind wir zusammengeblieben. Ich taumelte zwischen Wach und Schlaf. Immer wieder mal ein Querschritt zum Stabilisieren. Brauche nochmal eine M\u00fctze Schlaf. Das muss ich beim n\u00e4chsten Mal besser trainieren. Funktionieren bei Schlafentzug. Ich schlafe gern und lange. Der K\u00f6rper braucht die Ruhephasen. Bei so einem Wettkampf wie heute ist das aber nicht gefragt. Also nochmal 30 Minuten auf die Matte. Die Augen fallen sofort zu. Als der Wecker klingelt bin ich hellwach. Vero versorgt ihre l\u00e4dierten F\u00fcsse. Sie kann nicht schlafen. Vincent schl\u00e4ft tief und fest. Ich habe nicht mal die Schuhe ausgezogen. Also noch gar nicht seit dem Start. Will nicht wissen, wie es im Socken aussieht. F\u00fchlt sich ganz gut an. Die Fussballen brennen etwas. Nach 200 Kilometern darf das auch sein. Das gestatte ich ihnen. Sie werden bis ins Ziel auf den verbleibenden Asphaltstrecken noch viel mehr brennen. Es liegen noch etwa 50 Kilometer vor uns. Ich denke an Igor\u2019s Worte: wenn du dann nur noch 50 Kilometer vor dir hast, dann zieh durch. Keine langen Pausen mehr. Danke mein Freund. Weiss jetzt noch nicht, ob ich dar\u00fcber weinen oder lachen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich muss weiter. Stillstand ist R\u00fcckschritt. Wie ein Getriebener bin ich, sobald sich die Augen \u00f6ffnen. Es ist ein Uhr nachts. Die unterschiedlichsten Gedanken gehen mir durch den Kopf. Immer wieder das Bild mit dem Zieleinlauf vor Augen. Und ein Bier. Wenn ich mich jetzt absetzen kann, habe ich den zweiten Platz sicher. Es kann noch viel passieren auf dem Rest der Strecke. Aber nicht bei mir. Zur Not krieche ich auf dem Zahnfleisch weiter. Bis hierher hatte ich noch keinen negativen Gedanken. Und das sollte auch bis ins Ziel so bleiben. Wie schon erw\u00e4hnt, wird der Strassenanteil mit Teer jetzt h\u00f6her. Das ist einfacher zum Navigieren, geht aber auch in die Knochen. Ich fliege durch die Nacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am letzten Checkposten empf\u00e4ngt mich Volunteer \u00c9mile bereits von weitem winkend. Die indischen Helfer liegen im Zelt und schnarchen. Er bekommt sie nicht wach. Also Wasserflaschen selbst auff\u00fcllen. Auf Franz\u00f6sisch versucht er mich immer wieder dazu zu \u00fcberreden, etwas zu essen oder mich kurz hinzulegen. Essen habe ich noch reichlich im Rucksack. Viel zu viel mitgeschleppt. Habe mich die letzten Stunden nur von Datteln, Erdn\u00fcssen und ein paar Gel ern\u00e4hrt. Dazu Maurten fl\u00fcssig. Und viel Wasser. An den CP\u2019s mal ein Schluck Cola. Vor der letzten Etappe brauche ich jetzt auch nichts Festes mehr. Also weiter. One Foot in front of the other.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sonne geht auf. Schon wieder. Sehr beeindruckend in Indien. Sie schnellt als riesiger oranger Ball am Horizont empor. Und w\u00e4rm sofort. In den Nachtstunden f\u00e4llt die Temperatur bis auf 13\/14\u00b0C. Das ist angenehm zum Laufen. Ich stehe vor einem Fluss. Dem Breitesten des gesamten Lauf\u2019s. Suche mir eine flache Stelle zum Durchqueren. Spielt aber eigentlich auch keine Rolle. Die Socken und Schuhe sind nass seit der ersten Flussquerung. In Verbindung mit dem Schweiss ist das nie getrocknet. Da hilft nur die richtige Fusskrem. Ich habe mir auch bei diesem Rennen hier keine Blase geholt. Gehwol sei Dank.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12917\" src=\"https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Sunrise.png\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"630\" srcset=\"https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Sunrise.png 1920w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Sunrise-600x197.png 600w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Sunrise-300x98.png 300w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Sunrise-1024x336.png 1024w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Sunrise-768x252.png 768w, https:\/\/maikbecker.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Sunrise-1536x504.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/>Wenn du bis zu den Knien durch einen Fluss wadest, kommen dir die Gedanken nicht. Sp\u00e4ter im Hotel habe ich mal gegoogelt, ob es in Indien Krokodile gibt. Es gibt alles von Raubkatzen \u00fcber Schlagen bis Elefanten. Warum also keine Krokodile? Tats\u00e4chlich. 2018 wurde ein Einheimischer von einem Krokodil verschluckt. Verschluckt. W\u00e4hrend die Dorfbewohner zusahen und nichts machen konnten. Irgendwo in Rajasthan. Nicht hier. Nicht in dem Fluss, den ich grad durchquere. Beruhigend, dass ich das erst sp\u00e4ter recherchiert habe\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch 20 Kilometer. Nicht einmal mehr ein Halbmarathon. \u201eOh nein\u201c, schiesst es mir durch den Kopf. Jetzt bin ich halb um die Welt geflogen und das Erlebnis ist schon bald vorbei? Wo ist der Mann mit dem Hammer geblieben? Gem\u00e4ss gel\u00e4ufiger Theorien kommt der bei Kilometer 30 etwa. H\u00e4tte mich also achtmal erwischen m\u00fcssen. Wie durch ein Wunder bin ich ihm entkommen. Mirakul\u00f6s. Glaubt mir. Es gibt diesen Mann nicht. Gutes Vorbereitungstraining und richtige mentale Einstellung und du lernst diesen Typen nie kennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gegend hier kommt mir bekannt vor. Durch die Ortschaften bin ich schon einmal gelaufen. Die Kinder dort vor dem Haus habe ich schon fotografiert. Ich drehe mich um und bin mir zu 100% sicher, hier war ich schon einmal. Das geht eine ganze Weile so. Also doch noch ein kleiner Anflug von Halluzinationen. Getreue Begleiter bei Ultralangdistanzen. Ich habe euch schon vermisst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der Ortsgrenze von Ghanerao angekommen, fliege ich weiter \u00fcber den Asphalt. Es l\u00e4uft in Indien. In bin nicht zu stoppen. Beim Blick auf die Uhr muss ich schmunzeln. Was steht da? Tempo 15.24min\/km? Das ist doch ein Scherz. Schlechtes GPS Signal vermutlich. Ein paar Minuten sp\u00e4ter riskiere ich nochmal einen Blick. Es hat sich nichts ge\u00e4ndert. Mein Gef\u00fchl vom Fliegen t\u00e4uscht also derart. Solange ich kurz vor dem Ende noch dar\u00fcber lachen kann, ist alles gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann bekannte Gesichter. Fotoreporter Jean-Pierre und unser lokaler Guide Ram warten am Strassenrand auf mich. Sie begleiten mich auf dem letzten Kilometer bis zum Ziel. Vorbei an all den kleinen L\u00e4den mit dem gesch\u00e4ftigen Treiben wie vor drei Tagen. Adrenalin schiesst durch den K\u00f6rper. Noch zwei Kurven und ich sehe das Schloss. Im Innenhof empfangen mich ein paar Helfer. Und Jean-Fran\u00e7ois. Wir liegen uns in den Armen. Er hatte Recht mit der Prophezeiung, dass der 2. Platz f\u00fcr mich drin liegt. Und jetzt bin ich genau da angekommen. Nach 52 Stunden 22 Minuten. Vier Stunden hinter dem \u00fcberragenden Sieger Emanuel. Auf V\u00e9ro und Vincent habe ich noch f\u00fcnf Stunden herausgeholt. Sie teilen sich den 3. Podestplatz. Von 28 gestarteten Teilnehmern haben 26 das Ziel erreicht. Die letzten in 106 Stunden 4 Minuten. Chapeau!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Geschafft. <\/strong>Meine F\u00fcsse sind etwas strapaziert. Die Haut hat sich durch die st\u00e4ndig wechselnden Wasserdurchquerungen und die unendlichen Teerpassagen etwas verschoben. Die Ballen tiefrot. Zwei Tage Pflege und das ist vergessen. Die Dornenreste in den Schienbeinen zu entfernen, dauert l\u00e4nger. Auch nach fast einer Woche entdecke ich immer noch kleine schwarze Spitzen der hartn\u00e4ckigen Gew\u00e4chse unter der Haut. Muskul\u00e4r und orthop\u00e4disch hatte ich weder w\u00e4hrend des Lauf\u2019s noch danach irgendwelche Einschr\u00e4nkungen. Es geht mir \u00fcberraschend gut. Das Sitzen im Flieger bei der R\u00fcckreise wird deutlich anstrengender.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war das l\u00e4ngste Laufabenteuer meines Lebens. Ein einmaliges Erlebnis, dass es so nie wiedergeben wird. Der Ultra Run Rajasthan 2019 bleibt die einzige Austragung in Incredible India.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00e4uft in Indien. Lauffreunde haben mich auf diesen Event aufmerksam gemacht. Der Veranstalter hatte in den vergangenen drei Jahren Ultralauf Wettk\u00e4mpfe in den Copper Canyons in Mexiko durchgef\u00fchrt. 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